Individueller Austausch

Salut! 

Mein Name ist Sarah Weber, ich bin 17 Jahre alt und war von September bis November 2015 für 9 Wochen mit dem Brigitte Sauzay Programm in Frankreich, genauer gesagt im wunderschönen Küstenort Loctudy in der Bretagne.

Ich hatte das Pech, was sich in meinem Fall später als totaler Glücksfall herausstellte, dass innerhalb dieses Programmes keine passende Austauschpartnerin für mich gefunden wurde. Folglich wurde mir der Tipp gegeben auf der Internetseite des Deutsch-Französischen Jugendwerkes unter der Rubrik Kleinanzeigen mir selber eine Partnerin auszusuchen. 

Das war total super! So konnte ich mir unter allen französischen Partnerinnen diejenige aussuchen, mit der ich die meisten Gemeinsamkeiten hatte und hatte auch sofort ihre Kontaktdaten, um mich weiter mit ihr auszutauschen.

Der Nachteil war, dass man sich um die An-und Abreise selber kümmern musste. Zusätzlich war ich damals erst 15 und alleine zu fliegen, war damals noch ein wenig beängstigend. Demzufolge haben meine Eltern und ich uns dazu entschieden, dass ich begleitend fliegen sollte. Das bedeutete, dass mich jeweils eine Stewardess in Bremen zum Flug begleitet hat, mich in Paris zum Umsteigen in Empfang genommen hat, und an meinem Zielort Brest meinen Gasteltern übergeben hat. 

Ich hatte das Glück, dass meine Austauschschülerin zuerst bei mir in Deutschland war, weswegen ich sie und auch ihre Eltern schon recht gut kannte. 

So war das Verhältnis sofort total angenehm.

Von vornherein war ich super gespannt auf die französische Schule, auch wenn diese wirklich ganz anders als die deutsche war. Da ich in die Klasse meiner Austauschschülerin ging, hatte ich aber immer eine Ansprechpartnerin und durch sie auch schnellen Kontakt zu anderen Franzosen, was sehr schnell dazu geführt hat, dass ich mich an die doch recht strenge französische Schule gewöhnt hatte.

Ich habe mich sehr schnell aufgenommen gefühlt, was auch darauf zurückzuführen ist, dass sowohl meine Lehrer als auch die anderen Schüler sehr freundlich zu mir waren und mir bei Fragen immer geholfen haben. Generell sind die Franzosen so begeistert, wenn man als Ausländer versucht in ihrer Sprache zu kommunizieren, seien die Französischkenntnisse auch noch so schlecht. 

Das Leben bei meiner Gastfamilie war eine unglaublich tolle Erfahrung, nicht nur, weil ich das Savoir vivre der Franzosen besser kennenlernen durfte, sondern auch, weil mich die gesamte Familie (samt der Haustiere) sofort als Teil der Familie aufgenommen haben. Wir haben super viel gelacht und vor allem die Wettkämpfe um die besseren Deutschkenntnisse, die ich dann auch noch bewerten musste, sind mir in Erinnerung geblieben. 

Daneben haben wir natürlich auch viele Ausflüge gemacht, die allesamt sehr schön waren. Vor allem die Ausflüge mit dem eigenen Motorboot der Familie, haben mir viel Spaß gemacht, ich hatte sogar das Glück, dass das sonst doch recht unberechenbarere Wetter der Bretagne einigermaßen mitgespielt hat. In den Herbstferien waren wir sogar für ein paar Tage in Paris, wo ich dann endlich die Katakomben sehen konnte, was ein langjähriger Wunsch von mir war. 

Auch an die teilweise sehr entspannte Lebensart mit der grundsätzlichen Einstellung, dass man immer 20 Minuten zu spät kommen sollte, alles andere gelte sonst als unhöflich, hat man sich sehr schnell gewöhnt. Aber ja, ich muss sagen, als typisch pünktliche Deutsche war das für mich doch etwas irritierend. Und auch sonst gehen die Franzosen eher entspannt durchs Leben, an mir lag es jedenfalls nicht, dass wir den Schulbus verpasst haben.

Sprachdefizite gab es so gut wie gar nicht, und wenn doch, hat man sie eben mit Händen und Füßen oder mithilfe eines Übersetzers gelöst. 

Als es für mich wieder nach Deutschland ging, hieß es Abschied nehmen, was jetzt eher eine nicht so schöne Angelegenheit war, weil ich viele neue Freunde gefunden habe, zu denen ich noch heute Kontakt habe. Auch die Familie ist mir in dieser Zeit mitsamt der Haustiere sehr ans Herz gewachsen, so ist Frankreich doch irgendwie mein zweites Zuhause geworden. Abschließend kann ich sagen, dass ich jederzeit nach Frankreich zurückkommen würde, um Land und Leute weiter kennenzulernen. Unser Nachbarland hat so viel zu bieten und die französische Sprache ist es wert gelernt zu werden. 

In diesen 2 Monaten hat sich mein Französisch auf unglaubliche Weise verbessert und dennoch war die Zeit nicht zu lang gewesen, als dass man große Schwierigkeiten hatte den verpassten Schulstoff nachzuholen. Generell habe ich das oft auch einfach in der Zeit gemacht, als meine Austauschschülerin ihre eigenen Hausaufgaben machen musste, so war ich nie weit zurück und hatte keinerlei Probleme als ich wieder in Deutschland war. 

Klar gab es Momente, in denen man seine Familie und Freunde oder einfach das deutsche Alltagsleben vermisst hat, aber dank der neuesten Technik konnte man immer mit den Lieben in Kontakt bleiben und ich habe in dieser Zeit so viel erlebt, dass fast keine Zeit für Heimweh war.